United States of America

Fakten USA:

 

Größe1:                9.826.675 km²                                                                       1Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/United_States

Bevölkerung1:   322.755.353 Menschen

Hauptstadt1:     Washington DC

Währung1:          USD (United States Dollar) 

Random fact1:    There is no official language at federal level and only 31 States have English as their official language.

14/03/2017 Blizzard to Boston

Nachdem so einfach in die USA einreisen durften, fing es natürlich prompt an als wir gerade dabei waren für 68 Cent / Liter Diesel zu tanken ganz langsam aber sicher an zu schniseln. Erst nur vereinzelte Flocken während wir über den Highway die Hügel rauf und runter fuhren, aber es wurde stetig mehr. Nach einer halben Stunde fing es dann tatsächlich an zu schneien aber die Straßen waren immer noch OK. Nach weiteren 15 Minuten, konnten wir die Straße nur noch erahnen, die Scheibenwischer sind eingefroren und der Schnee klebte die halbe Frontscheibe zu. Da wir natürlich schlaue Leute sind, hatten wir kurz vor der Abfahrt einen der beiden Eiskratzer, die im Auto waren Max's Bruder als Andenken hinterlassen. Der andere war jetzt aber auch nicht auffindbar. Großartig. Also sind wir so gut es ging eben im Blindflug zur nächsten Tankstelle geeiert und haben uns da einen Kratzer besorgt. Welch eine Erleichterung einem ein kleines Plastikteil für $1,50 bereiten kann merkt man erst wenn man es nicht dabei hat. Nunja. Jetzt wurde dann auch die Sicht mit „freier“ Scheibe (Landrover Fahrer wissen wovon wir hier berichten) durch Wind und Schneefall so stark beeinflusst, dass wir sehr froh waren nach etwas mehr als einer ¾ Stunde endlich ein Räumfahrzeug gefunden zu haben, hinter das wir uns hängen konnten. So kamen wir dann fast bis nach Bangor (44.807898, -68.739081), unserem eigentlichen Etappenziel. Die Besitzerin des Motels, dessen Schild wir auf der anderen Straßenseite gerade noch so ausmachen konnten erzählte uns auch prompt, dass ihr in dieser Jahreszeit eigentlich gar nichts anderes übrigbleibt als für Blizzards zu beten, damit sie Gäste bekommt. Hat ja geklappt. Hundemüde fahren wir zum Supermarkt, holen uns Microwellen-Essen und schlafen tief und fest ein.

 

Die Strecke nach Boston am nächsten Morgen sieht schon viel besser aus. Es dauert über 20 Minuten unser kleines Auto um die 35-45 cm Schnee, die nach unserer Ankunft noch gefallen waren zu befreien. Schnee aus einem Dachträger raus zukratzen und vom Dachzelt zu schaben macht übrigens noch weniger Spaß als man ohnehin annehmen könnte.

Nach einer ziemlich ereignislosen Fahrt kommen wir dann in Boston an. Eigentlich in Somerville aber wir wollen mal nicht so sein.

 

16/03/2017

Auf Anraten einer Nachbarin unserer Gastgeberin mit einem 4 Monate alten Labrador Welpen sind wir dann als Erstes im örtlichen Diner Frühstücken gegangen. Danach wollte die Stadt erkundet werden. Wir sind dann also ohne Umschweife nach Downtown Boston gedüst, diesmal mit der U-Bahn, und fühlten uns ein bisschen vom Gewusel erschlagen. Allerdings gab es auch eine ganze Menge zu gucken. Insbesondere der ehemalige Hafen mit seinen Piers, die heutzutage nur noch für touristische Angebote genutzt werden und so einigermaßen erhalten bleiben konnten hat sich eingeprägt. Die Entwicklung des Containers hat eben nicht nur in Hamburg seine Spuren hinterlassen. Die gesamte Küste Bostons war bis in die 60er Jahre Hafengebiet. Da sich das Gelände aber nicht zum Umschlagen von Containern umbauen ließ, wanderte der Hafen aus der Stadt und die Hafenanlagen wurden zu Parkplätzen umfunktioniert. Jetzt ist es dank des Tourismus aber wieder durchaus annehmbar in der Gegend.

 

Im North End von Boston kann man betrachten, was passiert, wenn ein Viertel komplett durch gentrifiziert wird. Einst das Arbeiterviertel am Hafen, wurde es schnell von italienischen Einwanderern in Beschlag genommen. Hier reiht sich ein Restaurant an das nächste und um in den schmalen Gassen parken zu können muss man gefühlt die Erlaubnis dazu vererben. Mit den kleinen Plätzen hier und da, Häusern die „nur“ 4 bis 6 -stöckig sind und Bäumen, die am Straßenrand stehen, kommt tatsächlich so etwas wie Hamburg-Gefühl auf. Gleichzeitig erwarten man halb von einem Menschen mit Hosenträgern und Schiebermütze in eine Gasse gezogen zu werden und dann gefragt zu werden, ob man einen „kleinen Gefallen“ erledigen könnte. Wären nicht die Eltern, die gerade in der Nähe ihren Nachwuchs aus den Fängen des Schulsystems befreiten, könnte man meinen man wäre in einem Gangsterfilm.

 

Apropos Gangsterfilm. In der Salem Street stolpern wir einen halben Steinwurf vom Freedom Trail entfernt auf William Carlton's Geschäft (https://www.facebook.com/william.carlton.98). Der stellt alle möglichen Hüte und Mützen her, auf Wunsch auch nach Maß. Da im Schaufenster jede Menge Schiebermützen liegen, und wir in Boston sind, der heimlichen Hauptstadt der Schiebermützen muss Max sich natürlich umschauen. Ein kurzes Gespräch und ein paar anprobierte Mützen später einigen wir uns darauf, dass William eine Mütze anfertigen wird. Das Ganze kostet dann $80. Etwas ungläubig staunend gehen wir wieder zurück auf die Straße und machen uns auf den Weg nach Fenway.

Auf Anraten eines etwas angetrunkenen Locals, den wir am Vorabend getroffen hatten, suchen wir das Bukowski (http://bukowskitavern.net/boston/) auf. Der Rat von angetrunkenen Boston-Einwohnern ist schon mal nicht schlecht. Satt und glücklich verlassen wir das Etablissement, um uns auf den Weg zum House of Blues zu machen.

Dropkick Murphys am St. Patrick's Day Weekend in Boston. Obwohl das House of Blues nicht gerade bezaubernd ist und das Bier mit $8 nicht gerade ein Schnäppchen, ist das Konzert trotzdem der Hammer. Außerdem treffen wir noch den Menschen, der dafür verantwortlich ist, dass St. Pauli und die D-Murphys zusammen arbeiten. Eine ganze Menge Geschwatze später fallen uns dann ziemlich schnell die Äuglein zu.

 

St. Paddy's Day

 

Alles grünt. Egal welchen Alters die Menschen sind, die wir sehen, jeder hat etwas Grünes am Leib. Kravatte, Hut, T-Shirt oder Pulli ist egal, aber grün muss es sein. Selbst die Sicherheitskräfte kleben sich grüne Kleeblattaufkleber auf ihre Waffen. Wegen der Uniform ist es ja sonst auch nicht möglich sich zu ergrünen. Gegen frühen Nachmittag versuchen wir dann im Zentrum Bostons eine Kneipe zu finden, die keine $20 pro Person Eintritt verlangt und werden nach einiger Suche auf fündig. Hier wird dann zögerlich das erste grüne Bier getrunken. Bald schmeckt's aber schon wieder recht gut und da wir einen Tisch ergattern können gesellen sich bald auch Andere zu uns. Natürlich sind es Leute aus Glasgow, die am St. Patrick's Day mit einem Schottland Schal durch die Gegend winken.

 

Um am nächsten Morgen überhaupt einigermaßen klar zu kommen muss als erstes Hummer her. Eine Lobster Roll und eine Mischung mit Krebs- und Krabben Roll später haben wir die Katze gezähmt und wir können unseren Rundgang durch diese ziemlich hübsche Stadt fortsetzen. Mit frisch abgeholter Mütze auf dem Kopf (stolz wie Bolle) marschieren wir dann munter vor uns hin, bis die Füße lahm werden.

 

Portland to NYC

19/03/2017

Die Parade lassen wir nach einem Blick auf den Wetterbericht aus (-1°C und windig) und fahren stattdessen einigermaßen rechtzeitig los nach Portland, Maine. Da wir in Portland so etwas Ähnliches wie eine alternative Kneipe finden sind die Erinnerungen nicht die vollständigsten. Am ersten Abend laufen wir auf der Suche nach leckerem Essen länger durch die Stadt und werden schließlich am Hafen fündig.

Am nächsten Morgen braucht Emma dann das erste Mal etwas Zuneigung. Der Blizzard hat den Blinkerschalter irgendwie überlastet und jetzt geht das Licht nicht mehr. Einen kurzen Anruf bei Thomas Schnell später, laufen wir durch Portland auf der Suche nach einem Sicherungshalter. Nachdem wir uns vor einer nicht mehr existenten Filiale von Napa Auto Parts ausgeflucht hatten, gab es dann doch 15 Minuten zu Fuß durch das Industriegebiet später Erfolge zu vermelden. Teil erworben, Kabel im Auto durchgeschnitten,kurzgeschlossen, zugekrimpt, fertig. Licht wieder da. Daraufhin gab es dann ein kleines Erfolgsbierchen. Oder zwei.

Es gibt aber auch echte Neuigkeiten zu berichten. Auf Grund der Bekanntschaft in eben dieser Kneipe wurden wir zu unseren allerersten Austern eingeladen. Und was soll man sagen. Das Zeug schmeckt! Obendrauf gab es noch einen spektakulären Ausblick über die ganze Stadt. Am nächsten Morgen war die Stimmung entsprechend gedrückt und wir haben uns den Tag zum auskatern gegönnt und ein paar notwendige Besorgungen erledigt (Lebensmittel und so lästigen Kram).

Am Tag danach galt es dann auch endlich wieder eine größere Strecke zurückzulegen.

22/03/2017

 

Am späteren Nachmittag kommen wir in Woodstock, NH an. Nein nicht das Woodstock. Die verspätete Ankunft ist aber unserer hingebungsvollen Gefolgschaft gegenüber unseres Navis, also sonst irgendetwas geschuldet. Dafür haben wir eine ganze Menge Hinterland gesehen. Hier kampieren wir (wieder den Temperaturen und unserer Vorliebe für warme Duschen geschuldet) in einem netten Inn, mit Kamin und lassen den Abend vor selbigem ausklingen. Hier sind wir jetzt in einer Gegend, wo es nicht nur auf Grund des Blizzards geschneit hat, sondern mitten in einem der beliebtesten Ski-Gebiete der USA. Zeit zum Snowboarden haben leider keine, dafür fahren wir den „Scenic Drive“ quer durch den White Mountain National Forest und wir werden mit unfassbaren Panoramen vertröstet. Die Gegend ist unfassbar schön. Quasi den ganzen Tag „vertrödeln“ wir mit photographieren und einfach nur genießen. Abends ist es aber dann an der Zeit nach einer Unterkunft zu suchen. Wir werden mehr oder weniger fündig in einem kleinen Kaff hinter der Grenze zu Vermont. Hier gibt es ein ziemlich mieses Motel, aber für eine Nacht geht’s.

 

Dann ruft auch schon der nächste Byway. Dieses Mal geht es den Connecticut River Byway entlang. Wieder durch Schluchten und über einigermaßen steile Bergpässe immer weiter in Richtung New York. Die Nacht verbringen wir idyllisch an einem kleinen See mitten im absolutem Nichts. Dafür gibt es hier ein kleines und hervorragendes Restaurant. Gefühlt ist das halbe Dorf da. Es gibt auf jeden Fall Mac and Cheese mit Pulled Pork.

 

Als nächstes geht es ab nach Connecticut. Also östlich von New York. Hier finden wir eine niedliche Einzimmer-Wohnung über Air BnB und staunen nicht schlecht als wir tiefer und tiefer ins nichts fahren. Mitten im Wald liegt dann tatsächlich ein kleines Häuschen mit einer netten Einliegerwohnung von der aus man einen wunderschönen Blick über ein kleines Tal hat. Wir beschließen spontan drei statt ursprünglich nur einer geplanten Nacht zu bleiben. Zudem hat der Besitzer des netten Häuschens im Wald noch einen Anschlag auf uns vor. Er lädt uns spontan zu einem public forum in die Schule des Ortes ein. Hier wird eine mögliche Umgestaltung einer Drahtfabrik vorgestellt, die seit Jahren leer steht und nichts weiter tut als den Fluss zu verseuchen. Es werden interessante Alternativen biologischer Beseitigungsmethoden, sowie wiederbelebende Bauvorhaben vorgestellt und diskutiert. Ansonsten machen wir außer ein bisschen wandern und entspannen nicht wirklich viel.

 

28/03/2017

Ab geht’s in den Bear Mountain National Forest, eine Stunde vor den Toren von New York. Dieses Mal aber wieder auf der Westseite. Nach einer ziemlich anstrengenden Fahrt kommen im Bear Mountain Resort an und man gewährt uns auf Grund der beschränkten Anzahl Gäste (wir sehen 4 außer uns) ein Upgrade von der gebuchten Cabin ins Haupthaus des Etablissements. Ob das nun ein tatsächliches Upgrade war, darüber kann man sich insbesondere im Hinblick auf die unfassbar laute Klimaanlage streiten. Nichts desto trotz beschließen wir am nächsten morgen ein bisschen wandern zu gehen. Zunächst geht es auf dem Appalatian Trail ca. 200 Höhenmeter hinauf auf den nächsten Berg. Nach 4 Stunden wandern und etlichen auf und abstiegen kommen wir ziemlich fertig wieder am Auto an. Dann fahren wir nach Clifton, NJ, wo es sich Freunde von Nathalies Mama gemütlich gemacht haben, und uns angeboten hatten für ein paar Tage dort zu verweilen. Das Angebot haben wir natürlich sehr gerne angenommen.

 

Washington to Austin

Als wir uns endlich von Traudel und Klaus verabschieden und uns in Richtung Washington DC aufmachen, fällt uns natürlich ein, dass wir auf der Strecke zuerst durch das gesamte New Yorker Randgebiet müssen. Das heißt natürlich erstmal Stau. Aber mit genug Verpflegung und guter Laune ausgestattet, fahren oder stehen wir uns an Baltimore vorbei nach Washington DC. Hier schlagen wir im Green Belt State Park, romantisch zwischen 3 Hauptverkehrsadern gelegen, unser Lager für die Nacht auf. Allerdings soll es Regen geben - Juhuhh! - und so beschließen wir im Auto zu schlafen. Wie sich herausstellt eine hervorragende Entscheidung. In der Nacht fängt es an aus Eimern zu schütten. Als wir am nächsten morgen das Frühstück spontan auf unterwegs verschoben und alles eingepackt haben sind wir beide, Platzregen sei Dank, bis auf die Knochen nass.

Bei der Einfahrt nach Washington DC werden wir erst mal von Orkanböen und einem weiteren Regenschauer begrüßt. Zum Glück hatten Nathalie uns schon am Morgen in ein Hotel eingebucht, so dass wir die nachfolgende Sightseeingtour relativ entspannt angehen konnten. Dann kam uns aber doch noch etwas Wind dazwischen. Immerhin war so nicht ganz so viel los wie sonst. Nach einem wirklich interessanten Besuch im Air and Space Museum der Smithonian Institution haben wir uns einfach in die nächst beste Kneipe gesetzt, gesundes amerikanisches Essen genossen und ein paar Bierchen gezischt.

 

Beim Besuch im Air and Space Museum erfahren wir, dass es noch ein weiteres aeronautisches Museum in der Nähe, nämlich in Herndon im Norden Virginias geben soll, und dort kann man das Space Shuttle Discovery besichtigen. Also nichts wie hin. Als wir über die Grenze nach Virginia kommen klart der Himmel schlagartig auf es sind angenehme 22°C und wir freuen uns ziemlich doll endlich mal ohne Pulli rumlaufen zu können. Das Steven F Budvar Center ist riesig und aber nach anderthalb Stunden müssen wir uns verabschieden, um es noch rechtzeitig zu unserem Campingplatz am Shanandoah River zu schaffen. Angeblich gibt es dort auch die Möglichkeit umsonst zu übernachten, allerdings muss man dafür über ein Privatgrundstück fahren und das ist es uns nicht wirklich wert. So campen wir auf einem netten kleinen Campingplatz direkt am Shanandoah und probieren das erste mal unsere neue Grillschale ohne Feuerschale drunter aus. Nachdem wir den riesigen Fettbrand fachmännisch durch umdrehen der Schale und diese aufs Gras werfen gelöscht haben, gelingt das kochen im zweiten Anlauf ganz gut. Merke: „wenn man zu viel

Hitze im Feuerring hat, besser ein bisschen warten.“ Dafür ist es so warm, dass wir uns trauen das erste mal auf der Reise im Zelt zu schlafen. Es ist zwar etwas firsch nachts, aber das Platzangebot im Zelt schlägt das von unserer ins Auto gebauten Höhle um Längen.

 

Weiter geht es auf kleinen Nebenstraßen durch die Blue Ridge Mountains und mit jeder Ecke, die wir umkurven gefällt uns diese Ecke der USA besser. Die Ortschaften werden kleiner und kleiner, es gibt kaum noch Ampeln oder Stop Schilder und das Wetter zeigt sich ausnahmsweise auch einmal von seiner schönen Seite. Allerdings kommen wir durch die Fahrerei immer höher und höher und somit wird es gegen Abend auch wieder etwas frischlig. Dafür feiern wir unsere Wildcamping-Premiere. Während wir etwas Probleme haben das Feuer in Gang zu bringen, auf Grund des feuchten Holzes, ist uns noch etwas kalt, aber je später der Abend und je größer das Feuer, desto muggeliger wird uns. Mit Standheizung und Wärmflasche bewaffnet machen wir uns dann daran die Nacht zu bewältigen. Wir müssen nachjustieren. Wenn man die Standheizung so einstellt, dass es zum einschlafen schön warm ist, wacht man 2 Stunden später schweißgebadet auf. Naja, ein paar Probleme waren voraus zu sehen. Dafür funktioniert der Reserverad Grill ganz hervorragend. Also sobald man es geschafft hat Feuer zu machen.

 

Die nächste Nacht soll besser werden und so fahren wir wieder weiter in Richtung Meeresspiegel nach West Virginia. Kaum über die Staatengrenze wandelt sich das Bild komplett. Hier beginnt das echte Amerika. Trailerparks, Familien mit Muscle-Shirts, die Moonshine auf der Veranda trinken und wir haben echt Probleme die lokale Bevölkerung zu verstehen. Irgendwie ist das mit Oxford Englisch schon eine Weile her: Aus „you“ wird „yours“, der Singular verschwindet quasi komplett und jeder Vokal dauert gefühlt ein paar Sekunden. Sei´s drum, es ist wirklich schön hier.

 

Wir finden einen bezahlbaren, da laut Marklerdeutsch „verkehrsgünstig“, gelegenen Campingplatz und kochen das erste Mal in unserem Potje. Das Essen ist sensationell. Das machen wir wieder. Das Campingerlebnis ist allerdings nicht nur auf Grund der Lage etwas merkwürdig. Überall auf dem Platz stehen Schilder mit Psalmen und anderen Bibelsprüchen herum. Außerdem liegen auf den Toiletten diverse Flyer für das anstehende Seelenheil und Maxime für einen geordneten Weg dahin parat.

 

Die nächste Nacht verbringen wir im Hungry Mother State Park. Yep, der heißt wirklich so. Abends versuchen wir auf der Grillschale Brot zu backen, müssen aber feststellen, dass Hefeteig weder bei 13° noch auf der heißen Platte besonders gut aufgehen will. Wir versuchen am nächsten Morgen zeitig los zu kommen, da der gesamte Weg nach Nashville an einem Tag zurückzulegen ist und wir keine Lust darauf haben im Dunkeln aufzubauen.

 

Das Vorhaben gelingt immerhin teils. Wir kommen ziemlich platt aber immerhin noch in der Dämmerung in Nashville an, nur um festzustellen, dass der Campingplatz den wir uns ausgeguckt hatten komplett voll ist. Nun Müssen wir auf einem KOA schlafen. Der hat immerhin einen Shuttle in die Stadt, der umsonst ist und soll so etwas wie Internet, Waschräume und saubere Duschen vorzuweisen haben. Die Duschen sind tatsächlich nicht schlecht. Es ist das erste Mal, dass wir seit New York Wasserdruck, der seinen Namen verdient hat, genießen können. Kurz nach unserer Ankunft kommt ein Unbekannter auf uns zu und schleicht ehrerbietig uns Auto herum. Einen kleinen 2 Stunden langen Schnack später kennen wir Kevin aus Wisconsin, sein Motorrad und haben jede Menge Tips für weitere Sehenswürdigkeiten in der Tasche.

Nashville selbst hat eine ganze Menge mit zu Hause gemeinsam. Es wird hier tagsüber getrunken, man darf sogar mit dem Alkohol auf der Straße rumlaufen, und es reiht sich eine Kneipe an die nächste. Der einzige Unterschied ist der, dass hier aus jeder dieser Etablissements laute Countrymusik schallt. In jeder Kneipe gibt es gefühlt mindestens 3 Stockwerke und auf jedem Stockwerk gibt es anderen Country zu hören. Der Himmel auf Erden sieht bestimmt anders aus, aber man muss es mal gesehen haben. Nachdem wir in ein paar Bars reingeschnuppert haben, entscheiden wir uns für Tooties. Hier hängen überall an den Wänden Bilder berühmter Country und Western Musiker, die einzigen, die wir erkennen sind jedoch Johnny Cash und Willie Nelson. Dafür gibt es auf der Terrasse einen Platz für uns und es gibt vernünftiges Bier zu unvernünftigen Preisen ($8,50 / Bier). Naja. Mal sehen wie lange wir bleiben. Wie sich herausstellt den ganzen Nachmittag, und so gehen wir abends etwas angeschwipst zum Mexikaner, um etwas zwischen die Zähne zu bekommen. Das Fatal kommt danach. Wir beschließen nämlich, dass wir auf Grund des guten Wetters noch ein Eis möchten. Kurze Zeit später treten wir den Weg nach Hause an.

Am nächsten Tag ist erstmal Wäsche waschen angesagt. Das und faulenzen.

Da wir bei der Runde mit dem Shuttle auf dem Campingplatz direkt nebenan einen großen, alten Mercedes LKW mit Wohnkoffer hinten drauf bemerkt hatten, machen wir uns am nächsten Morgen, nachdem wir uns über Email! verabredet hatten, auf Karin und Michael (www.dieausreiser.de) zu treffen. Die beiden sind in nunmehr fast 4 Jahren von Buenos Aires nach Nashville gefahren und es ergibt sich bei selbst gebackenem Kuchen ein sehr interessantes „da müsst ihr hin und das war noch nett“ Gespräch. Am frühen Nachmittag können wir uns dann loseisen und fahren in Richtung des Natchez-Trace-Parkways.

 

Der Natchez-Trace ist ein alter Trapper Pfad, der ca. 650km lang ist und von den frühen Handeltreibenden und Indianern genutzt wurde. Auf dem darf man leider nicht fahren, aber dafür hat man 444 Meilen Straße daneben gebaut. Der Clou ist, dass es auf der gesamten Strecke nicht ein Stop-Schild oder eine Ampel gibt. Da wir aber erst noch Kuchen essen mussten, kommen wir nicht besonders weit und bleiben die erste Nacht im Davie Crocket State Park.

 

Die nächsten beiden Tage sind geprägt von der Suche nach Schlafplätzen, da überall in den National Forests ziemlich aufgemotzte Redneck Pickups herumstehen und wir uns nicht so richtig wohl fühlen bei dem Gedanken hier die Nacht zu verbringen.

 

Dafür fahren wir an unfassbar schönen Landschaften vorbei. Es wandelt sich von Laubwald zu Mischwald, dann wir es sumpfiger und Wasserpflanzen wachsen am Straßenland. Wir sehen unsere ersten Alligatoren (ziemliche faule Viecher), Schlangen (zum Glück nur unterm Reifen) und genießen das Wetter. So kommen wir langsam aber sicher nach New Orleans. In Natchez selbst sehen wir das erste Mal den Mississippi. Kurz vor New Orleans beginnt dann eine Brücke, die für die nächsten 37 Kilometer dafür sorgt, dass wir beide beruhigt feststellen können, dass wir wirklich nicht seekrank werden. Zwischen den einzelnen Elementen, die ziemlich genau nicht dem Radstand des Autos entsprechen, sind nämlich beträchtliche Lücken und die blank gefahrenen Metalecken machen einen ziemlich unerträglichen Lärm.

 

Da wir in New Orleans wieder auf einem KOA campen, können wir uns wenigstens auf eine Dusche freuen. Am nächsten Tag geht es dann in die City. Als wir herausgefunden hatten, dass das Shuttle nur einmal am Tag in die City fährt, und das um 0900h, haben wir gefrühstückt und sind dann mit dem Taxi in die Stadt. Drei Stunden laufen wir kreuz und quer durchs French Quarter, unterbrochen nur von kurzen Regenschauern. Ein paar Margaritas und ein Mittagessen später, laufen wir dann zum Fluss, um zu sehen, ob man tatsächlich noch mit Dampfschiffen auf dem Mississippi fahren kann. Kann man, man muss allerdings $33 für eine Stunde fahrt pro Person locker machen. Vormittags... Man kann auch das Abend-Komplettprogramm für $80 pro Person buchen... Irgendwie schafft es Nathalie sich den Magen zu verderben, und nach Einnahme von etwas Rennie-ähnlichem geht es zurück in Richtung Zelt.

Am nächsten Morgen gelingt es uns das Shuttle zu erwischen und nach einem erneuten Rundgang durch das French Quarter, diesmal mit Big Band Jazz, laufen wir durch den Louis Armstrong Park. Irgendwie ist es alles ein bisschen angegammelt, aber ganz nett. Beim ersten nachmittäglichen Bier treffen wir zwei Iren und sabbeln uns gehörig fest. Diverse Voodoo-Margaritas später, gehen wir was essen und machen uns dann auf den Weg in Richtung Frenchmanstreet. Hier ist das „echte“ New Orleans noch anzutreffen und in jeder Kneipe und an jeder 2. Straßenecke gibt es Jazz zu hören.

 

Als wir mittags vom Hof rollen, stellt sich heraus, dass es uns in der Frenchmanstreet vielleicht zu gut gefallen hat. Aber sei´s drum. Wir verbringen unseren ersten Abend am Golf von Mexico in Rutherford Beach. Der Weg dahin führt mehr oder minder direkt an der Küste entlang und ist bis auf die auf Stelzen gebauten Häuser (inklusive Schulen!) relativ unspektakulär. Rutherford Beach ist etwas unheimlich. Nicht nur weil hier überall Plastiktüten herumfliegen und es generell ziemlich müllig ist, sondern insbesondere weil man vom Land aus ca. 25 Bohrinseln im Golf sehen kann. Klar muss das Zeug, dass wir in regelmäßigen Abständen in den Tank füllen irgendwo herkommen, aber es ist, insbesondere Nachts, ziemlich gespenstisch. Als Entlohnung für den Anblick sehen wir das erste Mal Pelikane und sind ziemlich erstaunt wie groß diese Vögel tatsächlich sind.

 

Als nächstes Ziel hatten wir uns Galveston ausgesucht. Um dahin zu kommen muss man allerdings mehrere Fährfahrten hinter sich bringen. Auf einer dieser Überfahrten sehen wir Delfine! Außer denen ist es Brutzeit für komisch aussehende Insekten und diese suchen sich jeden Windschatten, der sich ihnen bietet, um ihr Hintern an Hintern Paarungsritual auszuführen. Wir müssen also öfter die Scheibe wischen...

Galveston selbst ist die Hölle. Zumindest für uns. An der Strandpromenade führt eine 4-6 -spurige Straße entlang, es reiht sich Hotel an Hotel, und da wo kein Hotel ist sind Kneipen und Restaurants. Außerdem hat man hier etwas gegen Camper. Im State Park und an zwei anderen Plätzen werden wir abgewiesen, weil wir kein RV sind. Nagut. Dann eben weiter. Kurz bevor die Sonne untergeht hat der Mensch am Tor des San Luis Pass RV Parks ein Nachsehen und wir dürfen für eine Nacht bleiben. Im Vereinsheim wird während wir unser Abendessen bereiten eine Hochzeit in Hawaiihemd und Flipflops gefeiert. Jeder nach seiner Façon.

Der Weg nach Austin ist dann gepflastert von Öl- und Gasraffinerien. Klar, irgendwo muss es verarbeitet werden, aber wiederum kommen wir uns beim Durchfahren merkwürdig vor. In Austin fahren wir auf den von uns vorher ausgesuchten Campingplatz, nur um festzustellem, dass er restlos voll ist. Nach langen Verhandlungen und als wir vor den Augen des Platzwarten unser Auto für eine Nacht auf dem Walmart Parkplatz fertig umgebaut hatten, hat er ein Einsehen und lässt uns für „nur“ $25 auf seinem Parkplatz stehen. Austin selbst ist allerdings in der Tat ziemlich anders als der Rest von Texas. Alles ist grün beim abendlichen durch die Straßen schlendern fallen einem Graffities auf, die einem einen schönen Tag wünschen, oder darauf hinweisen, dass man doch bitte vorsichtig fahren möge oder nett zueinander sein soll. Da muss man erst mal drauf kommen. Den Rest des Abends tingeln wir durch die Gegend, essen einen guten Burger und enden in einer Punk und Skinhead Kneipe, wo wir uns sofort wohl fühlen und ein bisschen Heimweh nach St. Pauli bekommen.

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