Montenegro 13/07/2016 - 19/07/2016

13/07/2016

 

Nach den ersten kleinen Problemen am Flughafen das Zelt als unser 3. Gepäckstück mitzunehmen, wurden wir doch noch durch die Sicherheitsschleuse gelassen und der Urlaub konnte beginnen.

Nach nur 5 Stunden landeten wir in Podgorica. Hier galt es nun unseren Mietwagen für unsere Zeit in Montenegro abzuholen und sich mit dem kleinen Hyundai i10 bekannt zu machen. Weil wir ja nicht von gestern sind hatten wir natürlich mein altes TomTom Navi mitgenommen auf dem angeblich ganz Ost-Europa als Karte enthalten sein sollte. Wie sich ziemlich schnell herausstellte gehörte Montenegro, bis auf drei Hauptstraßen, nicht dazu. So ging es wieder ins Flughafen-Gebäude zum offenen W-LAN des Cafés und schnell die Karte von Montenegro herunterladen. Nun aber los zum Camping. Die erste positive Überraschung in Montenegro kam an der Tankstelle: Super für € 1,02 / Liter. Die zweite kam als wir das erste Mal in Richtung Meer guckten und das Saphir-farbene Wasser zwischen den Bergkuppen hindurch erspähten, wurde uns langsam klar, dass das ein ziemlich guter Urlaub werden würde.

Als wir im Olive Garden Camp (42°04'56.4"N 19°08'47.9"E / 42.082330, 19.146644) ankamen, mitten in einem – wer hätte das gedacht – Olivenhain an einer kleinen Passstraße, die nächste positive Überraschung. Das Camp ist wunderbar. Auf dem Camping Platz darf man campen wo man Platz findet, es gibt nur drei feste Gebäude – das Klohaus, das Duschhaus und die Küche. 20m neben dem Eingang befindet sich ein Tresen mit Kühlschrank der uns als Bar vorgestellt wird. Da wir ziemlich genau nachmittags ankommen und schon seit den frühen Morgenstunden in diversen Sardinenbüchsen mit schlechter Luft zugebracht haben entschließen wir uns spontan dazu das Zelt aufzubauen, erstmal duschen zu gehen und dann das lokal angepriesene Piceskoe zu probieren. Nach einem ersten hervorragenden Mal gehen wir glücklich und völlig kaputt ins Bett.

 

14/07/2016

Am nächsten Tag, als wir von der sengenden Sonne aus dem Bett getrieben werden, steht ein Besuch am Strand an. Die Stadt Ulcinj hat angeblich den einzigen Sandstrand von ganz Montenegro, also fahren wir hin. Die Fahrt auf der Hauptstraße an der Küste entlang ist zwar eine ziemliche Geduldsprobe aber die Aussicht ist ein ums andere Mal wieder erstaunlich. Entlang der Steilküste windet sich die gut ausgebaute Straße um jede Bucht mit dem herrlich türkis-blauen Wasser in greifbarer Nähe.

Nach einem wunderschönen Vormittag am Strand mit unfassbar rücksichtsvollen und unaufdringlichen Strandhändlern gibt es die für Montenegro typische Bohnensuppe zum Mittag. Etwas merkwürdig bei ca. 30° im Schatten, aber was muss das muss. Anstatt sich noch weiter am Strand die Sonne auf den Pelz scheinen zu lassen, fahren wir in die durchaus sehenswerte Altstadt, laufen ein wenig rum und kaufen auf dem Rückweg etwas zu essen ein. Nach ein paar Entspannungsbierchen fallen wir dann glücklich ins Bett.

 

15/07/2016

Nachdem wir uns am ersten Tag dann doch „entgegen aller Erwartungen“ ein wenig verbrannt hatten beschlossen wir am nächsten Tag mal etwas angezogen zu unternehmen, um den Zustand nicht noch künstlich zu verschlimmern. Gesagt, getan. Das ausgedehnte Frühstück hinter uns, setzten wir uns also ins Hyundai-Mobil und fahren los. Immer der Küstenstraße entlang Richtung Norden geht es und es wird von Bucht zu Bucht schöner. Nach gut 1 ½ Stunden einmal das Land entlang (ja sooo groß ist Montenegro nicht) kommen wir unter tiefschwarzen Wolken in der Altstadt von Kotor an. In Kotor steigen wir aus dem Auto aus und es fängt an aus Kübeln zu schütten. Nathalie hatte zum Glück noch daran erinnert, dass es in Anbetracht der doch etwas bedrohlich über die Berge in Tal kriechenden Wolken sinnig sein könnte eine Regenjacke mitzunehmen. Recht hatte sie.

 

Kotor selbst ist ein ziemlich gemütliches, ziemlich altes Städtchen, dass – wie wir erst Tage später erfahren – ab 1600h wenn die Touristen abhauen, auch beschaulich ist. Wir haben uns aber dafür „entschieden“ Kotor mit Touristen und allem Drum und Dran zu sehen. Und zu sehen gab es eine ganze Menge: Von der imposanten Stadtmauer über die schmalen Gassen und die wunderschönen Plätze, den Steinfußboden, der so aussieht als ob man seit mehreren Jahrhunderten darauf herumgelaufen wäre bis hin zu den unzähligen Leuten mit „notwendigen“ Spiegelreflexkameras um den Hals.

 

Ein ziemliches Gewusel setzte immer dann wenn einer der Regenschauer aufhörte: Touristen, einheimische Verkäufer, Kellner und Lieferanten, die mit Elektromobilen und Handkarren durch die Straßen ziehen. Alles war vertreten und es war herrlich. Aber seht selbst.

 

Als wir mit dem Verspeisen einer ziemlich guten Fischplatte in der Pescaria Dekaderon (42°25'28.2"N 18°46'16.9"E / 42.424503, 18.771353) soweit angesättigt waren, dass wir den Nachmittag genießen konnten, liefen wir ein bisschen auf der Stadtmauer spazieren. Irgendwie ist es mit alten Stadtmauern immer so, dass man sich auf der einen Seite gut vorstellen kann warum sie errichtet wurden, auf der anderen Seite aber nicht ausmalen möchte wie es bei ihrem Gebrauch innerhalb der Mauer tatsächlich ausgesehen hat. Allerdings muss man anerkennen, dass es in friedlichen Zeiten einfach nur unglaublich schön anzusehen ist.

 

16/07/2016

Auf Anraten eines der Mitarbeiter des Camps versuchten wir eine schöne Straße in Richtung des letzten verbleibenden Regenwaldes in Europa zu finden, gaben aber bereits nach 5km auf, weil die Stausituation ein ernsthaftes Vorankommen nicht zuließ. Stattdessen entschlossen wir uns den Rat von zwei Motorradfahrern aus dem Camp zu befolgen und eine Reise entlang der Südseite des Skadarsko Jezero auf der Seite Montenegros (der See ist so groß, dass ein Teil montenegrinisches und zum Teil albanisches Staatsgebiet ist) zu befahren. Zunächst mussten wir also die Abzweigung von der Hauptstraße finden, um erstmal in Richtung albanische Grenze zu fahren. Als wir beschlossen hatten genug durch Hinterland geeiert zu sein, fragen wir einen am Wegesrand stehenden Einheimischen, der uns prompt auf Deutsch mitteilt, dass seine Bekannten auch in Richtung albanische Grenze fahren und wir uns denen einfach anschließen könnten. Gesagt, getan und nach kurzer Fahrt durch immer schlechter werdende Schotterstraßen sind wir auf dem richtigen Weg.

Von nun an wird das Wetter immer schlechter. Es regnet ohne Unterlass, die Straße wird quasi unsichtbar und wenn es doch einmal nur nieselt versuchen kurz auszusteigen und Photos zu machen.

Die Landschaft allerdings sucht seinesgleichen. Mit jeder Windung der Straße fahren wir tiefer in den Wald und aufs Land und durch die tief hängenden Wolken kommt es einem so vor als führe man ins nichts hinein.

Als wir das erste Mal den See erblicken trifft uns der Schlag. Die Straße scheint sich den ganzen See entlang einfach nur an der Steilküste entlang zu hangeln. Naiv wie wir nun einmal sind fahren wir also drauf los. Wie schlimm kann die Straße schon werden? Das hätten wir mal besser nicht gefragt. Der nächste Teil des Weges ist noch genau so breit, dass zwischen Felsen und Abgrund 1,5 Autos passen. Da das Wetter auf unserer Seite ist, kommt aber nicht allzu viel Gegenverkehr. Nach mehreren Herzattacken an engen Stellen, kommen wir in einer Spitzkehre zum Stehen, um doch zumindest ein bisschen die Aussicht zu genießen.

Wieder im Camp angekommen, beschließen wir an dem Abend mal Essen zu gehen. In Stari Bar (42°05'35.6"N 19°08'07.2"E / 42.093214, 19.135336), der Altstadt von Bar oben am Hang, gehen wir in ein vom Besitzer des Camps empfohlenes Restaurant mit landestypischer Küche. Wieder im Camp schwärmen wir noch eine ganze Zeit von wirklich guten dem drei Gänge-Menü für € 20,00.

 

17/07/2016

Da wir vom Autofahren in Montenegro noch immer nicht abgeschreckt sind, fahren wir am nächsten Tag in den letzten in Europa noch existenten Regenwald. Der Nationalni Park Biogradska Gora (42°54'03.2"N 19°35'48.7"E /  42.900882, 19.596855) liegt auf etwas über 1000m über normal null. Auf dem Hinweg geht es also quasi die ganze Zeit bergan. Die Strecke entlang eines Canyons ist ziemlich beeindruckend. Man fährt nämlich die meiste Zeit mitten in ihm durch das Hinterland.

Knappe 2½ Stunden später kommen wir im Nationalpark an. Der Parkplatz an sich, direkt an einem See gelegen ist schon eine Augenweide. Nach kurzer Konsultation der Karte entscheiden wir uns bei diesigem Wetter für einen Trail und laufen los. Es geht höher und höher in den Wald hinein. Auf einmal bricht die Sonne durch die Wolken und auf einer kleinen Lichtung sehen wir den Regenwald in seiner ganzen Pracht. Nach weiteren drei Stunden beschließen wir zurückzugehen und die unglaubliche Luft und Schönheit des Regenwaldes ein Bisschen sacken zu lassen.

 

 

 

18/07/2016

Da wir ja vor Reiseantritt beschlossen hatten unseren Urlaub ein bisschen aktiver zu bestreiten, wollen wir an diesem Tag den Trail vom Camp nach Stari Bar ausprobieren. Weil das Frühstück mal wieder etwas länger gedauert hat laufen wir also in der Mittagzeit los. Der Tag an dem wir was das angeht dazulernen ist wohl noch etwas weiter entfernt. Der Weg führt vorbei an einem Wasserfall mit dazugehörigem Teich. Den Rat des Campleiters ignorierend, gehen wir hinter einer Brücke nicht wie der Trail vorgibt links, sondern gehen einfach mal drauf los und nach etwas mehr als einer Stunde durch Olivenhaine und Gestrüpp Gekrabbel, fiel uns auf, dass wir vielleicht etwas vom richtigen Trail abgekommen sein könnten. So ging es den Berg wieder hinunter und dann auch tatsächlich auf dem richtigen Trail weiter zu gehen. Der Weg führt bergan, bergab über kleine Pfade zunächst in Tal hinunter und dann auf der anderen Seite den Berg wieder rauf. Der Ausblick ist fantastisch.- Man kann die gesamte Bucht überschauen und sogar Kühe und Pferde laufen hier rum. Einziger Wehmutstropfen war, dass auf Grund unseres klintzekleinen Umwegs ging unser Wasservorrat doch schneller zur Neige als zunächst gedacht. In Stari Bar konnten wir dann aber unseren Vorrat auffüllen und gehen erstmal ein Eis essen.

Stari Bar heißt ja nicht ganz ohne Grund Altstadt und von daher beschließen wir als nächstes die Stadtfestung zu besichtigen. Die Festung wurde 1979 bei einem Erdbeben, wie auch der gesamte Rest der Stadt, dem Erdboden gleichgemacht. 1985 fing die Bevölkerung an die Festung wieder aufzubauen mit traditionellen Methoden und Werkstoffen. Völlig ohne Zutun damals noch sowjetischen Regierung wurde die Festung für Touristen geöffnet. Heute kann man bei einer Besichtigung die alten Straßen und die Grundrisse der einst prächtigen Häuser sehr gut sehen und sich leibhaftig vorstellen wie das Leben damals ausgesehen hat. Nachdem wir alles für unsere viel zu frühzeitige Abreise am nächsten Morgen zusammengepackt hatten sind wir noch ein bisschen die Straße vom Camp aus hinaufgegangen, weil man von da aus einen unglaublichen Blick auf den Sonnenuntergang hinter der Bucht von Bar genießen kann. Etwas skeptisch ziehen wir los aber nach 5 Minuten legt sich die Skepsis schlagartig und der Anblick raubt einem den Atem.

Was für ein Abschluss aus diesem wunderschönen Land, dass wir nicht nur auf Grund seiner unglaublich freundlichen, hilfsbereiten und sympathischen Bevölkerung, sondern auch und insbesondere durch die landschaftliche Vielfalt und Schönheit in seinem Bann gezogen hat. Wir beschließen: „Wir kommen auf jeden Fall wieder, um noch so einiges mehr zu entdecken, aber beim nächsten Mal mit einem ernsthaften Auto… unserem.“

 

19/07/2016

Die Abfahrt ist nun mal Teil des Urlaubs und so geht es schweren Herzens in Richtung Podgorica zum Flughafen. Kleinere Probleme beim Umsteigen in Serbien (5 Std. Wartezeit ohne Begründung oder Verpflegung) werden den Eindruck des Landes an der Adria nicht längerfristig trüben. Wie gesagt: das nächste Mal fahren wir ja mit dem Auto.

 

Fazit:

Montenegro ist unerwartet divers, sowohl in natürlicher wie in auch in menschlicher Hinsicht. Hier leben verschiedene Religionen für Außenstehende tatsächlich einfach so nebeneinander her, ohne dass das Verhalten des einen den anderen wirklich juckt. Das Leben ist für Montenegriner nicht einfach, für Westeuropäer aber ziemlich günstig. Das einzige, was die Begeisterung ein bisschen im Zaum hält ist der allgegenwärtige Plastikmüll, der, an strategisch vom Wind hergestellten Sammelpunkten, so ziemlich überall außer an Stränden herumliegt. Zitat von Ivana aus dem Camp: „It’s not garbage. In Montenegro we say it’s Art!“

Lassen wir das mal als Versuch stehen sich einem Problem zu widmen, dem sich die Regierung verweigert.

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